Fokus und Erholung in der digitalen Arbeitswelt
Apr 13, 2026
Im letzten Artikel habe ich beschrieben, weshalb wir unsere digitale Arbeitsumgebung aktiv gestalten müssen, dass wir Dinge nur einmal anfassen sollten und wie wir Kommunikation bündeln können. Das ist die Basis für die folgenden drei Prinzipien. Diese haben meine Arbeitsweise auf den Kopf gestellt – ich kann mir heute kaum noch vorstellen, wie ich vorher überhaupt funktionierte.
Prinzip 4: Single Tasking
Der grösste Feind der Produktivität ist der Versuch, alles gleichzeitig zu tun. Doch Multitasking existiert nicht – unser Geist kann schlicht nicht zwei kognitive Aufgaben simultan erledigen. Was wir tun, ist in Wahrheit ein ständiges, hektisches Hin- und Herwechseln.
Dieser Kontextwechsel ist für deine kognitive Leistungsfähigkeit unglaublich kostspielig; er kann die Produktivität um bis zu 40 % verringern. Studien zeigen, dass viele von uns über 30-mal pro Stunde den Fokus wechseln – ein Verhalten, das dich jedes Jahr Wochen an echter Zeit und Qualität kostet. Vielleicht sogar deinen nächsten Karriereschritt oder einfach einen Monat am Strand.
In fast jedem Job gibt es Momente, in denen es Sinn ergibt, konzentriert zu arbeiten. Lies den letzten Satz noch einmal und überleg mal, wie das vor zwanzig Jahren gewirkt hätte. Heute müssen wir uns das tatsächlich explizit vorsagen. Deep Work ist ein Arbeitsmodus, in dem du dich über 20 bis 90 Minuten nicht stören lässt, offline bist und die Arbeit nicht unterbrichst. Keine Recherche, keine Anrufe, nur Fokus. So gibst du dir die Chance, in einen Flow-Zustand zu geraten, in dem du bis zu fünfmal kreativer und produktiver sein kannst.
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Schalte alle Benachrichtigungen ab: Optische und akustische Warnsignale, rote Punkte, Vibrationen – das alles hast du im Prinzip „Bündele die Kommunikation“ hoffentlich bereits ausgemistet. (siehe www.digitalintakt.com/digitalearbeitswelt)
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Smartphone weg: Falls dein Job es sonst nicht erlaubt, ist es spätestens beim Deep-Work-Block Zeit, das Gerät ganz wegzuräumen. Sogar ein ausgeschaltetes Smartphone im Gesichtsfeld mindert nachweislich die geistige Leistung.
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Nutze Blocker-Apps: Programme wie „Cold Turkey“ können Websites oder E-Mail-Programme für eine festgelegte Zeit sperren. Wenn ich an diesem Blog arbeite, stelle ich jeweils 45 Minuten ein, in denen ich nur Word verwenden kann – sonst nichts. Wenn ich dann nicht mehr weiter weiss, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zurückzulehnen und tief durchzuatmen – und meistens arbeite ich dann „aus Versehen“ schon weiter. Ohne Sperre hätte ich wahrscheinlich schon wieder etwas „Sinnvolles“ getan, wie E-Mails gecheckt, Börsenkurse nachgeschaut oder sogar mich unterhalten.
Mach auch Gespräche zu Deep Work: Ein Telefon auf dem Tisch sendet die subtile Botschaft: „Du bist gerade nicht das einzig Wichtige.“ Vielleicht sind Deep Work Phasen für dich fast nicht auszuhalten. Wenn dein Geist sehr fragmentiert ist, schaffst du zu Beginn vielleicht nur 15 Minuten. Das ist okay. Wichtig ist, dass die Blöcke intakt bleiben. Beginn mit 15 Minuten Deep Work pro Tag und steigere das nach ein bis zwei Wochen, bis du 45 Minuten am Stück fokussiert arbeiten kannst.
Prinzip 5: Trenne Arbeitsplätze und Freizeiträume
Die Verschmelzung von Arbeit und Privatleben ist im Homeoffice eine der grössten Gefahren. Das Bett ist für viele Dinge gut, aber nichts davon sollte KPIs beinhalten. Gönn deinem Geist volle Konzentration bei der Arbeit und volle Erholung danach. Oder hast du gar kein Leben mehr neben dem Job? Höchste Zeit, es wieder aufzunehmen!
Zudem gilt: Echte Pausen sind produktiv. Wenn du nur fünf Minuten ohne Bildschirm verbringst, dich bewegst oder einfach aus dem Fenster schaust, bist du massiv besser erholt und die Pause kommt dir viel länger vor. Wer an einem Tag echte Langeweile zulässt, ist am nächsten Tag nachweislich leistungsfähiger. Wenn du weniger Fehler machst, bessere Entscheidungen triffst und charismatisch kommunizierst, kannst du halb so viel arbeiten und erreichst trotzdem mehr. Ohne Pausen leiden all diese Bereiche. Auf Social Media zu „entspannen“ ist keine Pause für dein Gehirn – dann kannst du es auch gleich lassen.
Prinzip 6: Priorisiere das Wichtige
„Natürlich priorisiere ich das Wichtige“, denkst du jetzt vielleicht. Aber bist du dir da ganz sicher? Die digitale Welt ist meisterhaft darin, uns Dringlichkeit vorzutäuschen: Überall blinkt und vibriert es, Texte sind fett gedruckt, rote Punkte fordern sofortige Aufmerksamkeit. Das wirkt dringend – aber ist es wichtig?
Was ist mit deinem Deep-Work-Block? Was ist mit der Zeit, die du dir nimmst, um ungestört Szenarien durchzuspielen, damit du eine Entscheidung treffen kannst, die so klar ist, dass du sie mit Wirkung kommunizieren kannst? Was ist mit deiner 10-Minuten-Pause im Garten, ohne Smartphone? Das ist nie „dringend“ – es sei denn, du stehst kurz vor einer Panikattacke. Aber es ist essenziell wichtig. Also: Priorisiere das Wichtige und lerne es auszuhalten, dass das vermeintlich Dringende auch mal liegen bleibt.
Wer sich so organisiert, dass regelmässig 30 bis 60 Minuten vertiefte Arbeit im Flugmodus möglich sind und Pausen konsequent ohne Bildschirm stattfinden, gehört zu den wahren Gewinnern der Digitalisierung.
Inspirationsquelle und weiterführende Lektüre: „Deep Work“ von Cal Newport.
Quellenangabe: Enthält KI-generierte Fotos (Canva)
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